Workflow Digital

Workflow ist die englische Bezeichnung für Arbeitsablauf. Im Zusammenhang mit der Fotografie meint man hier den Ablauf der einzelnen Schritte vom Einstellen der Kamera bis hin zum fertigen Bild.

Es macht insbesondere in der Digitalfotografie sehr viel Sinn, sich hierüber Gedanken zu machen und einen solchen Workflow für sich festzulegen. Wenn man das nicht tut, wird man zum einen früher oder später ein Chaos auf seiner Festplatte haben, oder noch schlimmer, sich wundern warum manche Bilder qualitativ am Ende so schlecht sind. Einen idealen Ablauf gibt es natürlich nicht, da er stark von den eigenen Vorlieben und vor allem von den Anwendungen abhängt, die man im Zugriff hat.

Als Beispiel möchte ich im folgenden den von mir genutzten Arbeitsablauf beschreiben. Er hat sich über die Zeit entwickelt und funktioniert mittlerweile recht gut:

Zuallererst habe ich mich entschieden meine Kamera folgerndermaßen einzustellen:

RAW Format (NEF) komprimiert, keine JPG Kopie
Kameraeinstellungen durchgängig auf Normal
Farbraum Nikon RGB (ist aber nicht relevant, da RAW aufgenommen wird)
Damit habe ich schonmal die Voraussetzung geschafft, dass auf dem Weg von der Bildaufnahme bis in den Rechner möglichst wenig unwiderruflich festgelegt wird, und auch kein bemerkbaren Qualitätseinbußen entstehen.

Als nächster Schritt müssen die Bilder jetzt auf den Rechner übertragen, und dort eine Bildauswahl getroffen werden. Hierzu benutze ich einen Speicherkartenleser, über den ich die aufgenommenen RAW Bilder erst einmal in einen temporären Ordner innerhalb meiner Fotodatenbank kopiere. Jetzt muss man sich jetzt entscheiden, mit welchem Programm man seine Bilder anschauen, sortieren, begutachten und schließlich zur Weiterbearbeitung auswählen möchte.

Ich habe mich nach längerem hin- und her für Picasa entschieden. Das ist zum einen kostenlos, und zum anderen extrem einfach zu bedienen und gleichzeitig flott und sehr vielseitig. Picasa kann ich mittlerweile uneingeschränkt weiterempfehlen. In der aktuellen Version 3 kann es die RAW Dateien der meisten auch neueren Kameras anzeigen, was für mich den Ausschlag gab wieder zu Picasa zurückzukehren, nachdem ich eine Weile mit ACDSee 10 gearbeitet habe.

ACDSee ist vergleichbar, hat aber in der Bedienung ein paar Nachteile und dadurch nicht ganz so schnell beim Bilder suchen und organisieren. Dafür hat es aber viel mehr Funktionen, wie zum Beispiel das Umbenennen von mehreren Bildern mit selbstdefinierten Schablonen.

Nun schaue ich mir also erstmal die ganzen Bilder mit Picasa an, und wähle die aus, die ich aufheben und weiterbearbeiten möchte. Ausschussbilder lösche ich gleich direkt in diesem temporären Ordner. Die Bilder, die bearbeitet werden sollen, öffne ich dann direkt aus Picasa heraus über das Context Menu in Nikon Capture NX.

Capture NX kostet etwa 150€, bietet aber einige sehr außergewöhnliche und effektive Funktionen. Zuerst mal ist es natürlich ein RAW Konverter, der es erlaubt, die ganzen Basisparameter wie Weißabgleich, Grundschärfe, Farbsättigung, Farbprofil, und Kontrast nachträglich einzustellen unabhängig davon, was in der Kamera vorausgewählt war. Zusätzlich hat NX aber auch hervorragende Bildbearbeitungsfunktionen, insbesondere die sogenannte U-Point Technologie, mit der es möglich ist, einzelne Bildbereiche selektiv zu korrigieren ohne auf Masken zurückgreifen zu müssen. Das klappt ganz hervorragend. Im aktuellen Update, Capture NX 2, gibt es auch einige interessante neue Funktionen, zum Beispiel ein Retuschierstempel, der es sehr einfach erlaubt Sensorflecken auf Bildern zu entfernen.

Grundsätzlich kann die komplette Bildbearbeitung mit Nikon Capture NX2 erfolgen, nur wenn es darum geht komplexe Änderungen vorzunehmen, wie Stempelarbeiten oder auch die Erstellung von Bildrahmen, muß noch auf ein Standardbildbearbeitungsprogramm zugegriffen werden. Hier leistet Adobe Photoshop sehr gute Dienste. Entweder Photoshop Elements oder das doch sehr teure Photoshop CS, egal in welcher Version.

Falls ich die Bilder ins Internet stelle, füge ich noch eine Signatur ein und erstelle manchmal einen Rahmen um das Bild. Dies geht natürlich nur in PS oder einem vergleichbaren Programm. Praktisch ist, dass das Bild von Capture NX aus direkt in Photoshop geöffnet werden kann. Im Hintergrund wird eine tiff Datei erzeugt, die man aber wieder löschen kann, da man sie später nicht mehr benötigt. Die Bilder werden mit 14bit pro Farbkanal übertragen (das komprimierte NEF Format verwendet 12bit). Somit hat man bei der Übertragung keinen Verlust.

Ganz am Ende der Bearbeitungskette, als letzten Schritt wandle ich dann in 8bit JPG um und speichere mit recht hoher Qualität ab (Stufe 11 in PS). Gleichzeitig hebe ich natürlich das Original RAW Bild auf, damit ich die Bearbeitung jederzeit wiederholen kann. Nikon Capture NX speichert übrigens alle Bearbeitungsschritte im RAW file ab, sodass auch diese später wieder abrufbar und korrigierbar sind. Es werden dabei keine Originaldaten überschrieben.

Hier nochmal der Ablauf in der Übersicht:

  • Bild aufnehmen im RAW Format
  • Anschauen und auswählen mit Picasa 3
  • RAW Konvertieren und Bearbeiten mit Nikon Capture NX
  • Falls notwendig mit Photoshop fertigbearbeiten
  • JPG speichern und RAW aufheben

2 Gedanken zu “Workflow Digital

  1. habe erstmal meine brille geputzt! jetzt möchte ich dir für deinen text danken! und eine frage stellen: warum speicherst du die bilder in jpg ab und nicht in tiff oder psd? lg ullika

  2. Hallo Ullika. Meine Originale sind die RAW Aufnahmen. Die enthalten auch die Anpassungen über Capture NX. Alles weitere sind abgeleitete Versionen, und die speichere ich als jpg, weil sie so einfacher zu handhaben sind (weniger Speicherplatz, schnell in der Anzeige). Da bringt mir tiff oder PSD nichts, denn ich greife sowieso auf die Original RAW files zu, wenn ich eine neue Ausarbeitung machen möchte, oder zum Beispiel ein Bild für einen Druck vorbereiten möchte.

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